Vom Impfen und Veganern

Wenn ich als überzeugte gegen Corona Geimpfte nicht mehr akzeptieren möchte, dass jemand sich nicht impfen lassen will, dann kann ich das auf die gleiche Weise begründen, wie ein konsequenter Veganer in Bezug auf das Fleisch essen:
Denn dieser sagt mit Recht, dass er die Fleischesser nicht versteht und sie auch nicht tolerieren will. Weil er weiß, dass der Fleischesser mit jedem Stück Fleisch, dass er isst, das Tierleid billigend in Kauf nimmt! In diesem Fall schadet man „NUR“ Tieren. Und der Veganer fragt zu recht, mit welchem Recht stellt ihr euch über das Tier? Andere Veganer tolerieren zähneknirschend den fleischessenden Mob, weil sie wissen, dass diese es einfach nicht begreifen, dass man zwischen einem Hund und einer Kuh keinen Unterschied machen darf. Man lebt also mit einem ständigem Frust über die Blindheit dieser Menschen. Manch einer kann nur noch froh werden, in dem er das komplett ausblendet.

Man könnte statt mit dem Tierleid, auch mit dem Unterstützen des Klimawandels argumentieren. Zumindest wer rechnen kann, hat begriffen, dass zu viel Fleischproduktion sich nicht so recht mit Klimaschutz vereinbaren lassen will.

Muss ich etwas akzeptieren, von dem ich weiß, dass dieses Verhalten anderen Lebewesen schadet? Der Veganer ist also mit gutem Recht intolerant. Er ist nicht intolerant, er will das Leid verringern!

Wenn ich den Vergleich mit einem Mörder mache, ist es ziemlich klar: Man kann versuchen einen Mörder zu verstehen. Der hatte vielleicht eine grausame Kindheit und kann nicht anders. Sein Verhalten muss ich aber natürlich nicht tolerieren – im Gegenteil! Ich sollte ihn sogar aktiv daran hindern, weiter zu machen.

Und so kann man das auch beim Impfthema sehen: Ich behaupte – und damit stehe ich nicht alleine da – dass jemand, der sich nicht impfen lässt, der Gesellschaft schadet!
Nun ist es in diesem Fall ein Schaden durch Passivität, durch ein Nicht-Tun. Genau wie unterlassene Hilfeleistung. Und in diesem Fall ist der Schaden indirekter. Es ist die Menge der Menschen, die sich nicht impfen lassen, die den Schaden verursachen. Denn es führt zu einer zu geringen Impfquote, um das Virus durchrauschen lassen zu können und wieder ein freies, oder wenigstens freieres Leben zu haben. Denn nur mit einer hohen Impfquote wird das Virus genügend abgebremst.

Ich soll mir also selbst schaden, um damit die Gesellschaft zu schützen? Ja, ganz genau! Man muss das winzige Risiko einer starken Nebenwirkung auf sich nehmen, um damit die Gesellschaft zu schützen.

Nun glaubt ja aber der Großteil der Impfverweigerer überhaupt nicht, dass dieses Impfen der Gesellschaft irgendwas helfen würde.
Dazu unterteile ich erst mal zwei Arten von Impfverweigerern: Generelle Impfverweigerer und Corona-Impfverweigerer.

Der generelle Impfverweigerer lebt in einer Realtität sehr weit entfernt von dem, was schon als Konsens gesehen wird. Denn es gibt geschichtlich jede Menge mit statistischen Daten belegte Beispiele, wie viel Impfen nützt. Aber man kann natürlich zu allem irgendwelche Webseiten finden, wo irgendetwas anderes behauptet wird. Sowas wie Viren gäbe es gar nicht und es hat alles ganz andere, z.B. seelische oder karmische Gründe.
Und ja, die hundertprozentige Wahrheit kann auch ich nicht wissen. Es könnte auch eine riesengroße Verschwörung hinter allem stecken.
Das ist genauso, wie es Menschen gibt, die den Holocaust leugnen. Man kann ja mittlerweile alles fälschen. Das war also alles nur ausgedacht, eine riesengroße Inszenierung.
Aber sind solche abstrusen Versionen der Realität denn wahrscheinlich? Man sollte nach Ockhams Razor immer erstmal die geradlinigste Annahme als richtig vermuten.

Aber wer sich erst einmal eine völlig abgefahrene neue Realität zusammengebaut hat (z.B. der Flacherdler als Höhepunkt) ist davon auch seltenst wieder abzubringen, denn der Mensch hat die Tendenz permanent nach Dingen zu suchen, die seine Thesen unterstützen, und alles andere auszublenden. Der Fachbegriff dafür heißt Confirmation Bias.

Das wiederum macht die echte (ungekaufte…) wissenschaftliche Herangehensweise so wertvoll. Ein echter Wissenschaftler will nicht seine Theorie belegen. Er bleibt völlig unbefangen und offen bei seinen Experimenten und statistischen Erhebungen und ist bereit, seine eigenen Thesen auch wieder zu verwerfen, wenn sie sich nicht als wahr erweisen. Und weil Glaube so viel bewirkt und auch der neutralstmögliche Wissenschaftler immer noch ein Mensch ist, der befangen ist, gibt es Doppelblindstudien. Diese sind meiner Meinung nach der heilige Gral der Wissenschaft.

Wer also impfen generell ablehnt, lebt in einer Welt jenseits wissenschaftlichen Denkens. Er unterliegt vielleicht dem Glauben, dass das alles Eingriffe in die Natürlichkeit des Menschen sind, die unerlaubtes Gott spielen bedeuten. So jemand muss dann aber konsequenterweise auch nichtpflanzliche Medizin und Hilfsmittel wie Brillen, Hörgeräte und Herzschrittmacher ablehnen. Und akzeptieren, dass er wie im Mittelalter vielleicht nicht älter als 30 wird.

Nun kann man natürlich auch lediglich diese spezielle Corona-Impfung ablehnen, weil man glaubt, sie nütze nichts und gerade diese hätte noch keine geprüften Langzeitschäden. Beides ist hinreichend widerlegt, wenn man seriösen Quellen glaubt. Manchmal werden Impfschäden erst viele Monate später entdeckt. Aber die Schäden selbst treten immer in den ersten Wochen auf. Für das Vakzin von Biontec gibt es nun genug Daten. Bei einer derart großen Menge geimpfter Menschen, werden alle Auffälligkeiten entdeckt. Und konsequent wurden manchen Impfstoffe dann auch bereits eingeschränkt. Wenn man die Impfung als globales Massenexperiment betrachten will, dann ist es bereits erfolgreich abgeschlossen. Mit nur einem Makel: Die Impfung wirkt nicht lang genug gut genug. Weshalb wir jetzt halt alle boostern müssen.

Wenn man seriösen Quellen und Statistiken nicht glaubt, dann gilt wieder Ockhams Razor. Was soll denn da bitte für eine Verschwörung hinterstecken? Und warum? Leider kann man dann auch nicht weiter diskutieren, weil es dann schon an der Basis scheitert. Du glaubst den Statistiken nicht, ich schon. Wir haben keine gemeinsame Grundlage für eine Diskussion.

Wenn man sich aus „alternativen“ Quellen informiert, erfährt man – ohne Belege natürlich – wie schlimme Nebenwirkungen es gibt und dass das Immunsystem danach „nie wieder ordentlich funktioniert“. Wenn man das dann gerne glauben möchte, wird man natürlich gemäß dem Motto „Was der Denker denkt, wird der Beweisführer beweisen“ von etlichen Leuten mit ganz großen Problemen und Schäden nach der Impfung lesen. Und es sind auch Menschen direkt nach der Impfung gestorben! Es sind auch Menschen direkt nach dem Kaffee trinken gestorben. Oder nach dem Duschen. Oder nach dem Zähneputzen.

Genauso wie jemand glaubt, Homöopathie funktioniere, weil es ja so unglaublich viele Beispiele gibt, wo es ganz toll funktioniert hat.
Genauso wie MMS/Chlordioxid ja funktionieren müssen, weil davon so viele Leute Heilung erfahren haben.
Der Glaube macht alles. Es gibt keine verifizierte Doppelblindstudie über die Wirksamkeit von Homöopathie. Der Glaube und die Nähe und der Vertrauensaufbau zum anderen Menschen, die gründliche Anamnese, machen die gesamte Wirksamkeit aus. Die Kügelchen sind dann nur noch ein Anker. Das reicht für viel Wirkung.

Ich muss also auch für mich sagen, Oh Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun! Als Impfgegner glaubst du, du tust das richtige, dich nicht impfen zu lassen. Deshalb macht es dich ja auch so verdammt wütend, wenn jemand dich als unsolidarisch oder gar egoistisch bezeichnet.
Und du stützt dich dabei vielleicht nur auf ein Gefühl, dass es nicht gut sein kann, sich dieses Zeugs spritzen zu lassen und klammerst dich an jede halbseriöse Studie, die du finden kannst, die dich darin unterstützt.
Wir, die wir uns impfen lassen, sind aber auch voller gutem Gefühl, dass es gut und richtig ist, sich zu impfen.
Ein Gefühl für etwas zu haben – allgemein auch eine gute Intuition genannt – basiert immer auf Wissen. Ich muss erst etwas Lernen, um dann eine gute Intuition von etwas zu haben. Weil ich dann aus dem Unbewussten gute Entscheidungen treffe.

Akzeptieren kann ich eine Argumentation, die ich auch für mich habe, dass ich trotzdem immer mal wieder Fleisch esse: Ich bin tatsächlich ein Stück weit egoistisch und nehme das Leid in Kauf, wenn ich Fleisch esse. Ich bin nicht konsequent und ich gestehe mir dies als Schwäche zu, weil ich mein Leben derzeit anders nicht schaffe. Ich bin also menschlich und alles andere als perfekt.
So wären für mich ein: „ich lasse mich nicht impfen, weil ich eine irrationale Angst davor habe und diese gerade nicht überwinden kann“, oder ein „… weil ich ein ungutes Gefühl dazu habe ohne es begründen zu können aber ich höre immer auf mein Gefühl.“ für mich als Nicht-Impfgründe in Ordnung. Da gibt es sicher noch weitere. Ich hörte von mehreren, sie lassen sich aus Protest vor dieser völlig sinnfrei agierenden Politik nicht impfen. Naja, das nützt doch keinem. Aber das Misstrauen seriöser Quellen bei gleichzeitigem Vertrauen alternativer Quellen ist eine Realitätsverschiebung, die ich nicht akzeptieren kann.

Und um das auch nochmal klar zu stellen: Es ist absoluter Hohn, dass das Gesundheitswesen kaputt gespart wurde und dagegen fast nichts unternommen wird. Es war ein ganzes Jahr lang Zeit, um das zu ändern. Es ist mir absolut unbegreiflich, warum man die Pflege nicht zu einem attraktiven Beruf macht. Es sind zig Milliarden da, um irgendwelche Großunternehmen vor dem Bankrott zu retten aber kein Geld da, wo es am allerwichtigsten ist? Im Gesundheitswesen und in der Bildung???
Das Gesundheitswesen gehört verstaatlicht. Gesundheit darf sich nicht rechnen können müssen.
Ich denke wahrscheinlich wieder viel zu naiv, wenn ich mich frage, warum man das Gehalt da nicht einfach mal verdoppelt und die Schichten deutlich verkürzt, so dass auch ganz viele, die bereits abgesprungen sind, wieder zurück kommen?

Eigentlich wollte ich mich nur gerade unbeliebt machen, wenn ich die Argumentation des Veganers mit der des Impfbefürworters vergleiche. Beide wollen Leid verringern und wollen, dass andere dafür aktiv etwas tun (Kein Fleisch mehr essen / sich impfen lassen). Lustigerweise ist die Schnittmenge Veganer+Geimpft ja eher SEHR gering. Aber gerade das macht es so skuril: Als Veganer willst du eigentlich Leid verringern, das Klima schützen, gesund bleiben. Aus der gleichen Argumentation heraus solltest du dich auch impfen lassen.

Es sei denn, du bist der Meinung, dass wir einfach zu viele Menschen auf diesem Planeten sind und wenn wir alle ungeimpft bleiben, sorgen der Virus und völlig überlastete Krankenhäuser für eine stattliche Dezimierung. Das tut dem Planeten gut. Wenn du das Wohl des Planeten und der Tiere also über das des Menschen stellst und darwingemäß nur die fitten überleben, wäre das auch eine valide Argumentation fürs nicht-Impfen. Sie ist nur nicht sonderlich human.

Ich habe ein Follow-Up zu diesem Artikel geschrieben, in denen ich meine Aussagen revidiere: Wie wollen wir leben?

Bildquelle: https://www.publicdomainpictures.net/

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