Tag 23 in China – this sounds sarcastic

Donnerstag, 14.4. – Tag 23 – this sounds sarcastic
Am frühen Morgen ab 4 Uhr fuhren dann die meisten ab, nach Shanghai, nach Hong-Kong und nach Hause. Ich war wieder mehrfach wach, war bis 22 uhr sowieso nicht eingeschlafen und dann fast stündlich aufgewacht und dann riss mich der Wecker aus einen Traum, wo wir alle gerade in eine Sekte eingeweiht werden sollten. Lag wohl daran, dass meine Zimmernachbarin meinte, dass ihre Mutter meinte, sie sei hier in einer Sekte. Im Unterschied zu einer Sekte werden die Kung-Fu-Jünger aber auch wieder nach Hause entlassen 🙂
Ich habe hier noch keinen Tag durchgeschlafen. Trotzdem bin ich den Tag über fit.

Das Morgentraining bestand dann aus 6 Leuten und war sehr relaxt, wir brauchten nicht laufen. Der Shifu teilte mir das explizit noch mal mit. Ich wollte aber laufen. und die letzten Tage nochmal alles geben. Am Schluss machten wir wieder 2 alberne Selbstverteidigungstechniken. Da wir 5 waren (eine wurde zum Ausruhen verdonnert) musste ich das mit den Shifu üben, der dann schon wieder ungeduldig wurde, weil ich nicht sofort raffte, wie es geht. Also ich bin nun echt nicht die Langsamste, um neue Dinge zu lernen, er ist einfach viel zu ungeduldig. Wie viel Kraft darf ich nun bei ihm anwenden? So viel, dass die Technik funktioniert? Er holte dann schnell die 6te wieder dazu. Eine Technik war der Würgegriff von vorne mit einer Hand. Mit beiden Hände greift man dann die Hand und dreht sie in eine Richtung. Ob das wohl auch eine Frau bei einem starken Mann schafft? Ich bezweifle es. Da sind mir die Krav Maga Techniken lieber.

Den Spanier hatte es gestern voll erwischt, er lag im Bett, ich lieh ihm mein Fieberthermometer. Aber heute war er zumindest wieder auf den Beinen. Ich glaube, es erwischt in der ersten Woche jeden, der hier ankommt.

Der Raumcheck fiel heute aus, weil die Headmaster nicht da waren. Das wussten wir aber natürlich nicht. Wir hatten uns so viel Mühe gegeben alles vom Staub zu befreien und nahezu alles in die Schränke zu schmeißen und meine Zimmernachbarin faltete die Betten wieder perfekt. Später zeigte uns E. sein Zimmer, das war tatsächlich noch ordentlicher, denn es war absolut NICHTS mehr im Zimmer. Ich überzeugte meine Zimmernachbarin, dass wir E. selbst die Flow-Flag übergeben.

Das Vormittagstraining war gemächlich. Zuerst sollten wir den Mountain hochlaufen. Irgendwie war ich mal wieder gar nicht fit. Es fiel mir unheimlich schwer. Wie kann das sein? Ich müsste doch jetzt ausgeruht und fit sein? Ich mühte mich ab, den ganzen Berg zu schaffen, und wenigstens die Hälfte der Strecke zu laufen statt zu gehen. Dann ging’s in die Trainingshalle. Etwas stretchen, viel Pausen, paar Kicks, früher Pause als sonst. Ich war aber auch total müde, hätte dort einschlafen können. Dann wieder draußen laufen, da schenkte ich mir einen Teil. Dann war noch etwas Powertraining für uns, 300 Situps – angeblich, geschafft habe ich immerhin insgesamt 110, bis wir dann Klappmesser machen sollten. Von denen kann ich eigentlich nur 10. Er meinte aber 100. Irgendwann konnte ich gar nicht mehr. Dann halt einen machen, 5-10 Sekunden tot daliegen, und sofern wieder einer geht, wieder einen machen. Ich sah, dass jemand anderes eine etwas einfachere Technik verwendete, indem er sich so aufrollte, damit ging es etwas leichter. Irgendwann vergaß ich wohl zu zählen. Nachdem der Shifu fragte, und ich sagte, dass ich vergessen habe zu zählen, aber es jetzt ungefähr 30 sein dürften, meinte er, ich solle von vorne beginnen, und nochmal 60 machen. Etwas erschüttert fing ich wieder an. Dann passierte etwas Seltsames. Es ging plötzlich wieder leichter. Ich hab die vollen 60 geschafft. Dann noch 40 Liegestütze, die waren harmlos, weil die Meisten diese nicht ordentlich machen.

Zum Mittagessen gab es das Übliche, ich konnte es nicht mehr sehen, machte mir danach noch eine Nudelsuppe aus Deutschland.
Beim Vormittagstraining schlug uns der Shifu dann vor, den Stock zu lernen, die übriggebliebene Frau und ich freuten uns. Aber wieso hat er es uns dann bei diesem Vormittagstraining nicht beigebracht?

Da mir mittlerweile auch echt noch ein T-Shirt abgeht – ich habe hier irgendwie nur 2 kurzärmelige Shirts und mittlerweile ist das Wetter hier ziemlich warm – gab es, inklusive den Schwert, was ich kaufen will, nun 3 Dinge, die ich aus dem Waffenshop brauche. Ich fragte den Shifu nach dem Mittag. Er meinte, zum Meeting. Beim Meeting fragte ich erneut – nun sollte ich aber erst mal Chinese Class machen. Ich frage mich, ob ich ihn zum Abend-Meeting nun nochmal frage oder mir das erspare…

Chinese Class war zu viert etwas unterhaltsamer, weil wir die ersten 20 Minuten um den Block gegangen sind, und Laoshe aufgefordert haben, uns die Dinge auf chinesisch zu benennen. Im 2ten Unterrichtsblock erklärten wir ihr den Satz „this sounds very sarcastic“ und insbesondere die Bedeutung von sarcastic. Es war nämlich das erste Mal, dass sie zu uns meinte „You are so clever“ und einer meinte „this ist the first time it does not sound sarcastic“. Sonst sagte sie es immer zu M., der jetzt weg ist, mit sehr viel Sarkasmus. Ansonsten haben wir wieder ewig lang Töne geübt: qi, xi, quan, qian, jian, juan, jin … aarrhh das klingt alles fast gleich. Ich höre zwar Unterschiede und ich kann sie auch einigermaßen sprechen (wobei das laute Vorlesen von Laoshe bei fast allen mit „hen hao“ (sehr gut) kommentiert wird), aber wenn sie eines der Wörter einfach so sagt, kann ich nicht heraushören, ob es das mit x, j oder q ist … (das x ist so ein Mittelding zwischen dem ich-laut und dem s, das j ist ein dsch wie in Dschungel, sehr dumpf, mit sehr wenig „sch“, es ist ganz dumpf, und das q ist ein tsch, stark behaucht)

Seit gestern kann ich mit dem Nunchaku üben. Die Dinger haben mich schon immer fasziniert, und da einige welche hatten, hatte ich die Chance mir ein paar Bewegungen von jemanden zeigen zu lassen, von dem mit dem gebrochenen Fuß. Für ihn passt Nunchaku-Training als Übergang prima. Ich übe jetzt in jeder Pause fleißig. Ich glaube, das ist meine Lieblingswaffe. Zu schade, dass die Dinger in Deutschland verboten sind. Ich werde einfach eines zerpflückt transportieren, d.h. die Kette dazwischen so lange abnehmen. Riskieren oder nicht?

Da ich derzeit in den Pausen nichts zu tun habe – mit Wäsche waschen bin ich durch – schaue ich mir mal wieder einen Film an.
Da meine Beine Dehnungsschmerz haben oder eine Sehnenentzündung oder was auch immer – alles was frontal-Spagat ist tut höllisch weh –  kann ich nur wenige Sprünge üben.

K. war so nett und lieh mir sein Nunchaku für das gesamte Abendtraining. Der Spanier konnte auch mit dem Nunchaku umgehen und zeigte mir noch ein paar Bewegungsabläufe und Tricks. Da E. nicht zum Antreten gekommen war, wurde sie runterbeordert und erreichte durch ihr pampiges Verhalten mal wieder, dass es für den Shifu Gesicht verlieren bedeutete. Somit war er wieder mal so richtig wütend und schrie dann mit ihr noch ziemlich lange rum, während wir unser Abendtraining machten.

Der Shifu beendet irgendwie jeden Satz mit ah. Wenn es eine Frage ist, klingt das ah ganz leicht anders. Ist schon irgendwie lustig. Und jedes verwunderte nachfragen oder wundern ist ein „ehhh?“ Mehr ein englisches e, ein Ton eher in Richtung ü. Vielleicht kann man es auch gar nicht beschreiben, sondern muss sich das echt mal anhören. Es hat sowas ganz eigenes.

Am Abend klopfte der Shifu nochmal und fragte, ob es mir besser ging. Ging es mir denn schlecht? Verwunderlich war, dass heute alle etwas müde und unfit waren. Lag es an der Luft? An der Stimmung wegen der Leere hier? An diesem recht heißen schwülen staubigen Wetter?. Ich sagte „everything‘s fine“. Ich merkte dann aber an, dass ich ihn nun zwei mal wegen Waffen kaufen gefragt habe, und dass ich ein Shirt brauche. „Oh sorry I forgot“…

Interessanterweise habe ich kein Bedürfnis mehr, täglich meine E-Mails zu checken – Zumal da eh nichts drin ist.

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