Hundeerziehung – Maja Nowak, Martin Rütter, Cesar Milan

Gerade hat mich das Geschrei erschüttert, welches auf diversen Webseiten über die „Hundeflüsterin“ Maja Nowak zu lesen ist. Ich habe mir alle Sendungen angeschaut und finde ihre Arbeit klasse. Ich sehe dort keine Gewalt. Ich sehe dort Dominanz und Führung.

Banjo
Unser Banjo

Vielleicht müssen wir erst definieren, was Gewalt ist? Physische Gewalt ist für mich, wenn der Hund geschlagen wird. Das ist aus meiner Sicht verwerflich. Nun sagen vielleicht einige,dass sie psychische Gewalt anwendet, in dem sie den Hund unterwirft bzw. Drohgebärden macht. Aus meiner Sicht, tut sie nicht mal das, sondern sie grenzt ihn ein. Sie sagt dem Hund klipp und klar, wo die Grenze ist. Und sie macht es immer mit je nach Verhalten des Hundes angemessenen Mitteln. Einen Hund, der sie gerade beißen will, bringt sie natürlich auch entsprechend heftiger zur Räson und packt zu. Da hat der Hund dann auch schon mal kurz gequiekt. Dafür, dass er sie gerade ernsthaft beißen wollte, war das mehr als angemessen. Was macht eine jegliche körperliche Mittel ablehnende Person, wenn jemand auf sie zukommt und ihr physischen Schaden zufügen will? Auch die andere Backe hinhalten?

Ist es etwa weniger Gewalt wenn ein Martin Rütter sagt, der Hund kriegt 3 Tage absolut nichts zu essen? Das finde ich viel heftiger, als diese Mini-Maßregelungen, die Maja Nowak macht, wenn sie ihn mit 2 Fingern antippt. Ich mag auch den Martin Rütter und seine Methoden funktionieren sicher auch bei einigen Hunden, aber auch nicht bei allen. Nach gut 40 angeschauten Sendungen, habe ich das Gefühl, er behandelt irgendwie alle Hunde nach dem gleichen Schema. Es kommt nichts neues mehr. Er hat einen festen Satz an Methoden, die er immer wieder anwendet. Immer werden Ketten oder Flaschen geworfen um hartnäckigere Fälle zu behandeln. Meinem Hund würde das im übrigen überhaupt nichts jucken.
Hunde, die nicht apportieren mögen, müssen eben hungern bis sie es notgedrungen tun. Ich habe bei meinem Hund irgendwann akzeptiert, dass irgendwelchen Bällen hinterher zu rennen nun mal überhaupt nicht seins ist. Da kann das Leckerlie noch so gut sein.

Gezeigt wird im Fernsehen natürlich immer nur das, was funktioniert hat. Menschlicher wären unsere TV-Hundetrainer-Stars wenn sie offen zugeben, dass Ihre Methoden auch nicht immer bei allen funktionieren und auch sie nicht die Wahrheit haben. Grundsätzlich – warum muss immer jeder von sich glauben, seine Erfahrung ist die einzig richtige? Und was ich hier schreibe ist halt auch nur eine Meinung, ohne irgendeinen Anspruch, dass das nun „richtig“ ist.

Cesar Milan finde ich für meinen Geschmack deutlich zu aggressiv. Wie er die Hunde tritt, ist mir zu heftig. Er erklärt dabei alles esoterisch mit der  „richtigen Energie“, verpasst dem Hund dann aber grundsätzlich ganz schnell und nahezu unbemerkt einen Tritt. Das ist für mich Zuschauer-Verarschung. Er ist aus meiner Sicht auch total verängstige Hunde so brutal angegangen und hat sie dadurch wirklich hilflos gemacht. Das konnte ich nach wenigen angeschauten Sendungen nicht mehr mit ansehen. Bei Frau Nowak konnte ich das nicht beobachten, sie hat sehr differenziert gearbeitet. Bei ihr sehe ich, wie sie mit Status und Körpersprache mit dem Hund arbeitet.

Ich finde es unheimlich, wie sehr sich verschiedene Hundetrainer echauffieren, was richtig und falsch ist. Da gibt es richtige Glaubenskriege mit Verbalentgleisungen, wo ich nur den Kopf schütteln kann und frage, wie sehr die Spezies Mensch denn wohl noch degenerieren kann, bis sie ausstirbt…

Zum Glück gibt es auch einige Hundetrainer, die das aus meiner Sicht Vernünftigtste sagen: Jeder Hund ist anders. Man muss probieren, welche Methoden geeignet sind. Ein guter Mix verschiedener Stile macht’s vielleicht. Man weiß nicht, was nun wirklich richtig oder falsch ist. Da gehe ich ganz nach einem NLP-Axiom: Wenn etwas nicht funktioniert, mach was anderes. Mehr vom selben ist immer falsch. Gewalt sollte natürlich immer das letzte Mittel sein. Aber lieber Gewalt anwenden als den Hund einschläfern lassen zu müssen, oder?

Dann liest man oft die Kritik, dass es grundsätzlich falsch sei, solche Hunde-Sendungen zu zeigen, weil die Leute es nachahmen und damit noch mehr Schaden anrichten. Genau wie bei der Kinder-Nanny. Ich sehe das anders. Ja, ich habe auch viel nachgeahmt (und habe auch viel gelesen und war bei einer Hundeschule). Aber ist die Quote der erfolgreichen Nachahmer nicht deutlich höher als die der Nichtsblicker, die von Körpersprache keine Ahnung haben und alles total falsch umsetzen? Ist das nicht besser, als wenn sie ihre Hunde in ihrer Verzweiflung schlagen? Dito Kinder-Nanny. Bringt so eine Sendung nicht deutlich mehr Verständnis für das Wesen des Tieres als das sie durch Methodennachahmung schadet? Besser ein einäugiger Hundehalter, als ein total blinder? Natürlich ist es am besten, wenn jeder zu einer Hundeschule geht. Aber auch da ist die Ausbildung offenbar ja nicht immer so gut. Ich finde ja sogar, der Mensch sollte erst eine Sachkunde- und Umgangsprüfung machen, bevor er einen Hund halten darf. Und für ein Kind gilt das genauso 😉

Schaut’s euch selbst an in der ZDF-Mediathek. Ich bin glücklich ihre Methoden endlich mal als Video sehen zu können, nachdem ich vor einem Jahr mit Begeisterung ihr Buch gelesen habe und daraus schon mit Erfolg meinen Hund sofort leinenführig bekommen habe.

Die Stellungnahme des BHV zu Maja Nowak zu den Argumenten der Fans von Frau Nowak gefällt mir aber auch und macht mich nachdenklich. Ja, vielleicht interpretiert die Frau Nowak auch einiges nicht ganz korrekt. Für Sie ist Hecheln ein Zeichen, dass der Hund sich beruhigt, ich lese überall, dass es Stress bedeutet, weil der Kreislauf auf 80 ist. Was für sie Entspannung ist, interpretieren andere als extreme Unterwürfigkeit und Angst. Für mich wirkten die gezeigten Hunde aber gut drauf. Trotzdem schreibt auch der BHV nicht, wie ein Terror-Terrier nur mit positiver Bestärkung zu therapieren ist.

Sollten wir die Methoden nicht am Erfolg messen? Sie scheint doch durchaus die Beziehung sehr viele Hundehalter  zu ihrem Hund langfristig deutlich verbessert zu haben. Mögen sich doch mal die Halter zu Wort melden, denen Frau Nowak nicht helfen konnte.