Eine Warnung an Informatik-Erstsemeser

Heute möchte ich jungen noch unerfahrenen Programmierern und Erstsemestern der Informatik eine Warnung mit auf dem Weg geben. Da mich das Thema aus eigener Erfahrung berührt, habe ich es mehr bildhaft als sachlich geschrieben:

Es gibt auf dieser Welt immer wieder Menschen, die haben angeblich großartige Ideen. Sie kommen auf euch zu und wollen eure Fähigkeiten, eure wertvolle Zeit. Sie brauchen eure Programmierkenntnisse! Ohne euch, können sie ihr Projekt nicht verwirklichen. Als Gegenleistung sollt ihr aber kein Geld bekommen, sondern einen (meist auch noch total mickrigen) Gewinnanteil, wenn das Projekt dann später angeblich garantiert die großen Gewinne macht. Nennen wir so einen Menschen mal Herrn Glorreich. Ihr hört euch die Idee an und denkt, ja ist prinzipiell ganz nett. Ihr seid aber schon skeptisch – ist das wirklich so neuartig? Meist ist Herr Glorreich aber sehr charismatisch und präsentiert seine Ideen, dass es sich so anfühlt, als sei es etwas wirklich Tolles und großartiges. Und Herr Glorreich wirkt so, als hätte er unglaublich viel Ahnung von dem, was er sagt. Ihr fangt an zu glauben, dass der das dann schon alles erfolgreich in die Welt tragen wird. Ihr programmiert euch halbtot daran – denn ihr werdet die benötigte Zeit für den Aufbau eines wie auch immer gearteten Portals total unterschätzen (ich habe noch keinen Programmieranfänger erlebt, der den Aufwand eines Projektes nicht unterschätzt hat). Euer Studium leidet und ihr erkennt nach und nach, dass es Herr Glorreich irgendwie nicht gebacken bekommt:

  • Variante A – er bemüht sich wirklich aufrichtig, da er ja aber kein Geld, sondern nur gute Ideen hat, bekommt er das Portal nicht vermarktet, es wird niemals Gewinn reinkommen. Oder er hat skurile Ansichten, dass das Projekt dann schon noch erfolgreich wird, ihr müsst nur noch viel mehr programmieren – die Technik sei nicht gut genug
  • Variante B – ist noch schlimmer, er hat noch tausend andere tolle Ideen und lässt dich hängen und verzögert und verzögert, letztlich hast du alles umsonst programmiert
  • Variante C – er sagt, er habe Investoren gefunden. Jeden Moment geht es los mit der Vermarktung. Nur irgendwie scheint sich dieser Moment unendlich lang auszudehnen. Denn die Investoren haben das Projekt nicht als aussichtsvoll beurteilt oder gar nicht erst in die engere Wahl gestellt

Angenommen, ihr seid von vornherein skeptisch und sagt, ne, nur gegen Bezahlung! „Naja, 10 EUR die Stunde könnte ich gerade noch so bezahlen“ kommt dann tatsächlich aus Herrn Glorreichs Munde, denn manchmal ist Herr Glorreich gar nicht mal so ganz ohne Geld, wie er erst weis machen wollte, sondern hat einfach nur einen Dummen gesucht. 10 EUR? Lasst euch nicht so billig kaufen! Euer erfolgreiches Studium ist viel wichtiger! Wenn ihr das Geld wirklich so dringend braucht und nichts besser bezahltes findet, macht einen Job außerhalb des PCs, damit ihr nicht vorm Rechner eingeht, und das reale Leben draußen kennen lernt! Als Erstsemester oder Programmieranfänger sind wenigstens 20 EUR die Stunde angemessen.

Was Mr. Glorreich macht, nennt man schamloses Ausnutzen des Engagements von jungen Leuten. Zum Glück lassen Programmierer und Informatiker heutzutage nur noch selten so etwas mit sich machen – Aufträge auf Provisions- oder Erfolgsbasis werden abgelehnt.
Fallt nicht darauf rein, dass eine Idee alles ist. Eine gute Idee macht vielleicht 5 % eines erfolgreichen Projektes aus. Macht eine Stunde Brainstorming und ihr werdet erkennen, ihr habt selbst lauter coole Ideen. Eine Idee wird erst wertvoll, wenn es dazu auch einen Machbarkeitsplan gibt und eine realistische und keine Milchmädchen-Rechnung, dass sie sich wirtschaftlich tragen könnte. Aber auch das gibt dem Projekt keine Garantien. Jetzt muss es auch noch wirklich fähige Leute geben, die dahinter stehen und ein Team, was sich versteht und miteinander arbeitet statt gegeneinander.
Wenn du wirklich von einer Projektidee überzeugt bist, weil diese wirklich neuartig ist, Mr. Glorreich dir einen handfesten Businessplan zeigt, Mr. Glorreich dir von vornherein eine kleine Vergütung zusätzlich zur Gewinnbeteiligung anbietet, oder Mr. Glorreich dir eine UMSATZ- und keine Gewinnbeteiligung anbietet, Mr. Glorreich von Anfang an die Finanzen offen legt und alles transparent ist, Mr. Glorreich dir einen sauberen schriftlichen Vertrag gibt, du dir der Risiken bewusst bist, Herr Glorreich diese auch offen anspricht, wenn Herr Glorreich nicht nur er allein ist, sondern bereits ein kleines sich gut verstehendes Team hinter sich hat, dann taufe ich Herrn Glorreich in Herrn Realist um und man sich auf sein Angebot möglicherweise einlassen.

Arbeit auf Basis von Gewinnbeteiligung ist nicht generell abzulehnen. Im Gegenteil, ich finde es grundlegend ein ganz hervorragendes Modell, denn es eröffnet Chancen, durch die aktive Beteiligung ein richtig gutes Projekt hervorzubringen, was den Menschen nützt und letztlich auch gutes Geld zu verdienen.
Wie und woran man erkennt, ob Herr Realist und sein Team wirklich fähig sind und weitere Dinge, auf die man achten sollte, welche weiteren Voraussetzungen einem Projekt gute Chancen geben, und warum die Gründung einer GbR fast immer zum Scheitern verurteilt ist – dazu erzähle ich, bei ausreichendem Interesse, gerne ein anderes mal mehr.

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