Tag 4 in China – nichts geht mehr?

Samstag 26.3. Tag 4
Das Rennen in der Früh ging heute noch schlechter, meine Beine wollen einfach nicht mehr, daher bin teilweise gegangen.

Witzig ist jeden Vormittag das Spruch vorlesen. Die chinesischen Kinder dürfen erst irgendetwas chinesisches auswendig sagen und dann irgendeinen englischen Spruch, wie z.B. „Don’t waste water“ oder „a friend in need is a friend indeed“ oder „come easy go easy“. Eine Frau aus unserer Gruppe darf dann immer den englischen Spruch für die Kinder vorlesen, die den dann an die 20 mal wiederholen müssen. Für uns Ausländer gibt’s dann den gleichen Spaß mit irgendeinem geistreichen chinesischen Spruch, den wir dann auch laut vorsagen dürfen, teilweise einzeln. Aber wir müssen das nicht so oft wiederholen wie die Kinder. Ein paar Beispiele „Wo ai Gung-Fu“ und die anderen hab ich schon wieder vergessen… da keiner die Sprüche behält, ist das ganze wieder mal eine ziemlich sinnlose Aktion.

Hatte ich schon erwähnt, dass das Wasser hier öfter am Tag abgestellt wird? Am besten hat man daher immer so einen großen Bottich Trinkwasser auf dem Zimmer – es gibt solche ca. 15 Liter Behälter. Außerdem ist das Licht im Bad entweder auch abgeschaltet (vorsorglich hab ich mir also eine Taschenlampe und ein LED-Licht mitgenommen) oder, wenn denn Strom da ist, schaltet man das Licht mit einem  lauten Geräusch an – man schreie Bu, oder Huah, stampfe auf dem Fußboden oder klatsche in die Hände. Dann ist das Licht für ungefähr 20 Sekunden an, dann darf man erneut schreien. Arrrrgghhh…  wie nervig ist das denn? So hört man also in den Gängen ständig Buhs und Hahs… Werde ich das Licht dann zu Hause auch so einschalten wollen?

Das Vormittagstraining hat meinen Beinen dann den Rest gegeben, ich komm einfach nicht mehr in die Beuge. Ich hab dann nochmal für irgendso nen gehockten 360 Grad Drehtritt (man schwinge das ausgestreckte Bein aus der Hocke einmal rundum (als ein Teil einer Kette von Bewegungen) hab ich nochmal alles gegeben, danach war ich fertig mit der Welt.
Dann ging er mit uns auf irgendwelche kleinen Felder hinter die Häuser, wo neben einigen Anpflanzungen jede Menge Abfall und Kot waren. Da sollten wir nun unsere Butterfly-Kicks und anderes üben. Ich konnte beim besten Willen nichts mehr hüpfen oder irgendwie die Beine beugen. Ich dehnte mich und war irgendwie wütend und mit den Nerven fertig.
Danach machten die Männer 100 Sit-Ups mit gestreckten Beine, die jemand festhielt, mit Oberköper über einer Anhöhe, so dass der frei vom Boden war. Danach die umgedrehte Variante, man auf dem Bauch liegt und hebt dann den Oberkörper 100 mal. Für mich und S. waren nur 50 zu tun. Ja, komisch, diese 50 Sit-Ups waren irgendwie gar kein Problem für mich, ging ruckzuck. Bauchmuskeln hab ich wohl wirklich. Dann haben wir noch eine Frau dabei, die kann irgendwie noch gar nichts und man hat auch nicht das Gefühl, dass sie sich wirklich bemüht. Sie will aber angeblich 2 Jahre hier bleiben und ist jetzt 3 Wochen da.

Danach sollten wir nochmal eine Runde so schnell wie es geht um den Platz laufen. Ich kam als letztes an, ich kann einfach nicht mehr. Ich warte immer irgendwie drauf, dass der Shifu mit mir rummeckert, aber irgendwie bin ich wohl noch in der Schon-Phase. Außerdem gebe ich eh mein Bestes. Ein guter Trainer sollte nur dann mit jemanden wütend sein, wenn er nicht sein Bestes gibt, oder? Ob der unsrige das zu unterscheiden weiß? Und, gebe ich wirklich mein Bestes, wenn ich mein Bestes gebe? Wann hat man denn die 100%?

Als Mittagessen gab es ein Tomaten-Ei-Gemisch, etwas kohlartiges und nen Mischmach aus Kartoffeln, Glasnudeln und Fleischresten in irgendner Soße. Ich pickte mir vor allem die Kartoffeln raus, die waren wirklich gut. Aufs Fleisch werde ich diesen Monat wohl verzichten. Habe ich auch irgendwie keinen Hunger drauf. Von den diversten Tuben gegen Muskelschmerzen (Rheumasalbe, Muskelschmerz-Gel, Voltaren) ist das Einzige, was vom Gefühl her vielleicht ein bisschen was bringt, das billige japanische Minzöl. Ist auch als Tiger-Balm bekannt.

Da ich mich absolut unfähig fühlte das Nachmittagstraining zu absolvieren, fragte ich den Shifu ob ich heute nach chinesisch wechseln kann. Er sagte, ich kann nur für einen Monat wechseln. Er sagte „think of it“. Toll, ich hatte noch 10 Minuten Zeit mich zu entscheiden. Auf der einen Seite wirkt es ein bisschen, wie als Versager dazustehen, auf der anderen Seite ist es schlichtweg einfach zu viel für meinen Körper. Ich habe das Gefühl, daran zusammenzubrechen. Mit 31 Jahren plötzlich hartes Ganztags-Training absolvieren ist vielleicht wirklich nicht gut. Also entschied ich mich schweren Herzens zu halbtags chinesisch zu wechseln.
Ich durfte dann gleich 160 Yuan zahlen. Ich kam zu einen ungünstigen Zeitpunkt hinzu, weil die anderen Montag einen Test schreiben. Es war langweilig, auch wenn die Lehrerin sich wirklich bemühte, es lustig zu machen.
Sie brachte uns Sprüche bei wie „You have no chance – just try again“ und dann schrieb sie „Freude schöner Götterfunken“ auf chinesisch an die Tafel was wir dann ständig singen durften, auch einzeln!
Das Chinesisch-Buch, was ich bekommen habe, erscheint mir recht gut. Es ist natürlich alles englisch-chinesisch, aber „no problem“.
Die Kung-Fu-Gruppe spielte draußen wieder Basketball, da war ich sehr froh, nicht dabei zu sein.

Abends  beim freien Training hab ich mir von M. erzählen lassen, wie dreckig es ihr in den ersten Tagen ging. Sie hatte Schmerzen am ganzen Körper. Sie kam völlig untertrainiert hierher. Jetzt nach 3 Monaten ist sie absolut fit. Unglaublich, sie läuft auch diesen Berg ununterbrochen hoch und runter. Machbar ist es also.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.