Tag 6 in China – Buddha Class

Montag, 28.3. – Tag 6 – Buddha Class
Ich konnte irgendwie wieder überhaupt nicht gut schlafen, hab nur unendlich viel geträumt und bin immerzu nach jedem Traum aufgewacht. Und dann war ich leider mitten im Schlaf, als mein Wecker um 5:40 Uhr ging. Oh nein, die Nacht ist schon vorbei?
Das Formationslaufen ersparte Shifu uns, stattdessen schickte er uns wieder mal den Berg rauf. Ich ging zumindest nicht nur, sondern lief auch mal. Den Beinen geht‘s besser, aber gerade links ist es noch unmöglich in die Hocke zu gehen.
Unten angekommen machten wir uns den Spaß und liefen selbst in Formation zum Shifu zurück. Man tut ja alles, um ihn bei guter Laune zu halten…

Zum Frühstück gab‘s den üblichen Kohl.
Beim Vormittagstraining sind wir gegangen statt gerannt. Einer meinter zu mir, wenn man hier durchhält, hält man überall durch. Na, das ist doch mal ne Aussage! Eine andere Frau ist stimmt mir darin überein, dass vieles hier keinen Sinn hat und irgendwie zu wenig Kung Fu praktiziert wird, denn wir spielten heute wieder Basketball. Ich will dieses Spiel nicht spielen! Ich kann mir einfach die Gesichter meiner Mannschaft nicht merken. Schließlich entschied ich mich, nicht mehr mitzumachen und ging zu den anderen Invaliden und übte wie auch andere meine Form. Ich werde das Spiel auch zukünftig verweigern. Vielleicht besteht das, was ich immer noch zu lernen habe, hier wieder mal darin, in den richtigen Momenten nein sagen zu können.

Dann war Buddha-Class. Das läuft folgendermaßen ab: Alle treten der Reihe nach in ein Zimmer, wo vorne ein Schrein mit Buddha drauf ist und dem üblichen Beiwerk. Dann gibt der Shifu den ersten 12 Leuten der Reihe nach ein Räucherstäbchen. Das wird dann eins nach dem anderen nach vorne gebracht, sich dort 3 mal verbeugt, hingekniet, 3x verbeugt, aufgestanden und nochmal 3x verbeugt. So gehen schon mal 10 Minuten vorbei bis alle Stäbchen vorne sind. Dann teilt Shifu der Reihe nach ein Blatt aus. Dann lesen alle gemeinsam dieses Blatt vor (Pinyin). Dann setzen sich alle, im Hintergrund läuft nervige chinesische Musik  (weil immerzu derselbe Loop) und man meditiert ca. 10 Minuten. Dann stehen alle auf,  gehen im Kreis und lesen noch irgendwas (wird natürlich alles nicht erklärt, was da drauf steht). Dann verbeugen sich wieder alle der Reihe nach, diesmal wirklich alle. dann setzt man sich wieder und meditiert 15 Minuten, dann verbeugt man sich wieder der Reihe nach, um dann den Raum zu verlassen.  So bringt man dann eine Stunde rum. Also um irgendwelche Buddha-Erfahrungen bin ich jetzt nicht wirklich reicher…

Mittags gab‘s Pilze, sehr lecker, und wieder Gurken, auch lecker. Dazu das übliche Gepansche. Nachmittags Chinesisch Unterricht war dann der Test, auf den die anderen sich vorbereiteten. Den sollte ich tatsächlich auch mitschreiben, er war aber auch sehr einfach und drum hab ich ihn auch bestanden, obwohl ich einiges überhaupt nicht wissen konnte. Ist alles irgendwie ein Witz. Man sollte als Zusatzaufgabe noch auf Englisch schreiben, was man getan hat, bevor man hierher kam und wie man sich gefühlt hat. Was hat das mit chinesisch zu tun? Oder will sie damit selbst besser englisch lernen? Unser aller Englisch ist besser als das von Laoshe. Nichtdestotrotz ist sie eine total liebenswerte Person, mit der man ständig herumscherzen kann.
Irgendwann war jeder mit dem Test fertig, und ich konnte wieder nur rumsitzen und warten, warten, warten. In der dritten Stunde hat sie dann den Test gleich korrigiert, also saß man weiterhin nur rum und wartete. Ich versuchte wenigstens ein paar Vokabeln zu lernen. Mir ist das total egal, ob ich hier irgendwelche albernen chinesisch-Tests bestehe. Ich möchte lieber Kung-Fu trainieren. Aber nun hab ich ja gewechselt…

Beim Antreten nach dem Abendessen durften wir in der einen Stunde diesmal ausnahmsweise auch auf unser Zimmer gehen. Aber nicht in die Nachbarschaft (also ins Dorf, die paar Meter weiter). Und wir konnten uns für morgen für den freien Tag für die große Stadt austragen. Auch das Austragen mutet wie Schikane an: wieso muss jeder jedes Mal hinschreiben, wann er hergekommen ist, und welches Datum heute ist? Morgen wird dann erst um 7 angetreten. Ich freue mich auf die warme Dusche.

Der Müll wird hier übrigens nicht abgeholt, sondern verbrannt. Das stinkt dann halt, man gewöhnt sich dran. Ich bin überhaupt erstaunt, wie wenig es stinkt. Ich rieche kaum mal was. Liegt es an meinem Dauerschnupfen,  dass ich nichts mehr rieche oder hab ich mich schon automatisch angepasst?

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